Zu Besuch im Kloster Hirsau

Kloster Hirsau

Mitten im Nordschwarzwald, nahe der Stadt Calw, liegt die Benediktinerabtei Kloster Hirsau. Bekannt ist die Klosteranlage auch unter der Bezeichnung St. Peter und Paul. Die Anlage Hirsau blickt auf eine lange Tradition zurück, denn bereits im Jahre 1091 wurde die zugehörige Klosterkirche geweiht. In Takt ist die Klosteranlage heute nicht mehr. Doch die Ruinen des Klosters Hirsau locken noch immer zahlreiche Besucher an, die vor Ort an einer Klosterführung teilnehmen können. Das angrenzende Klostermuseum informiert Interessierte über die architektonischen Besonderheiten und die Baugeschichte des Klosters Hirsau. Auch dem Leben der Benediktinermönche kann in der Dauerausstellung des Klostermuseums nachgespürt werden.

Baubeginn um 1082

Obwohl das heutige Kloster Hirsau erst ab 1082 erbaut wurde, geht die Geschichte des Benediktinerklosters bis in das achte Jahrhundert zurück. Schon um 765 wurde am heutigen Standort des Klosters eine sogenannte Nazariuskapelle errichtet, von der aus der christlichen Glauben im Nordschwarzwald verbreitet wurde. Danach folgte ein erster Klosterbau, der die Zeit ebenso wenig überdauert hat, wie die Nazariuskapelle. Im Jahre 1049 war mit Papst Leo IX. der höchste Würdenträger der katholischen Kirche in Hirsau zu Gast, und wünschte sich den Neubau eines massiven Klosters, dem der dort herrschende Graf Adalbert von Calw, ein Verwandter des Papstes Leo IX., auf dessen sanften Druck hin nachkam. Graf Adalbert von Calw ordnete den Bau eines neuen Klosters an, und 1092 war der Neubau so weit gediehen, dass die bereits in Hirsau ansässigen Mönche in das neue Kloster umziehen konnten.

Kloster Hirsau Lageplan und Geschichte im Überblick
Kloster Hirsau Lageplan und Geschichte im Überblick

Bedeutung und Geschichte des Klosters Hirsau

Die Klosterabtei trug seinerzeit noch den Namen Sankt Aurelius. Die Abtei verfügte über großzügig bemessene Landgüter, und gehörte zu den reichsten Klosterabteien weit und breit. Deshalb, und auch weil sie einen liturgisch hervorragenden Ruf besaß, erlebte die Abtei einen regen Zulauf an Mönchen. Die Lebensweise der Mönche von Hirsau wurde als vorbildhaft bezeichnet. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts stand das Kloster Hirsau in der Blütezeit seiner Bedeutung. Von hier aus wurden zahlreiche weitere Klostergründungen des Benediktinerordens geplant und durchgeführt. Dazu prosperierte die Abtei wirtschaftlich. Die Verbindungen nach Rom waren besonders bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts weiterhin hervorragend.

1536 wurde der Benediktiner Konvent im Zuge der Reformation schließlich aufgelöst. Das Kloster Hirsau existierte fortan als evangelische Klosterschule weiter, in der junge Männer zu Priestern ausgebildet wurden. In den Folgejahren kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen katholischer und evangelischer Obrigkeit, und das Kloster wechselte noch mehrmals seine Zugehörigkeit. Zum Ende des 16. Jahrhunderts wurde auf dem Gelände des Klosters ein neues Jagd- und Festschloss errichtet. Die christliche Tradition des Areals war nun endgültig Geschichte.

Überreste des Jagdschloss im Kloster Hirsau
Überreste des Jagdschloss im Kloster Hirsau

1692 wurden weite Teile des Klosters Hirsau durch französische Truppen niedergebrannt. Anlass war der pfälzische Erbfolgekrieg. Die Ruinen wurden aus Kostengründen nicht wiederaufgebaut. Das Haus Württemberg veranlasste als Besitzer des Klosters Hirsau, den Abtransport lose gewordener Steine, die aus den Klostermauern herausgebrochen waren. Diese wurden in der Umgebung als Baumaterial für Neubauten verwendet.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verfiel das Kloster Hirsau danach in einen Dornröschenschlaf. Ab 1875 fanden auf dem Areal erste archäologische Ausgrabungen statt, die bis in die 1980er Jahre hinein andauern sollten. Heute ist das Areal des Klosters im Besitz des Landes Baden-Württemberg, das für die Konservierung und Nutzung des Klosters als historische Stätte verantwortlich zeichnet.

Blick auf die Marienkapelle im Kloster Hirsau
Blick auf die Marienkapelle im Kloster Hirsau mit Kreuzgang im Bild

Die Architektur des Klosters Hirsau

Eulenturm an der Süd-/Westfassade des Kloster Hirsaus
Eulenturm an der Süd-/Westfassade des Kloster Hirsaus

Eine Klosteranlage, wie die des Klosters Hirsau, entsteht nicht an einem Tag. Während eines Zeitraums von rund 500 Jahren wurde das Kloster ursprünglich aufgebaut, immer wieder umgebaut, und schließlich erweitert. Deshalb sind architektonische Spuren im Stile der Romanik bis hin zur Renaissance noch heute auf dem Gelände des Klosters Hirsau auszumachen. Von den ersten Klosterbauten aus dem 11. Jahrhundert blieb nur ein Teil der Aureliuskirche im romanischen Stil erhalten. Auf wuchtigen Rundbögen mit kurzen Rundpfeilern thronte seinerzeit eine Flachdecke aus Holz, mit für die Romanik typischen Würfelkapitellen. Die 1091 geweihte Klosterkirche erscheint insgesamt ganz typisch romanisch. Erhalten geblieben ist der sechsstöckige Eulenturm mit quadratischem Grundriss. Er weist Arkadenfenster und zahlreiche Figurengruppen auf. Sein Bildfries mit, neben diesen menschlichen auch tierischen Abbildungen, wurde zum Wahrzeichen des Klosters. Dargestellt werden zum Beispiel zahlreiche gehörnte Tierarten, wie Antilopen, Gämse und Ziegen. An den vier Turmecken sind jeweils Löwenköpfe auszumachen.

Bauliche Veränderungen ab dem 15. Jahrhundert

Die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde für Renovierungs- und Umbauarbeiten an den bestehenden Gebäudeteilen des Klosters Hirsau genutzt. Viele der ursprünglich romanischen Gebäudeteile wurden im gotischen Stil erneuert. Spitzbögen und Strebepfeiler oder auch aufwendige Maßwerkfenster, die die Wirkung des einfallenden Tageslichts steigern sollten, wurden neu eingesetzt. Im 16. Jahrhundert folgte dann der Neubau eines dreiflügeligen Jagdschlosses im Stil der Renaissance. Von diesem Gebäude sind nur die Grundmauern, die die damalige Pracht des Hauses durchschimmern lassen, erhalten geblieben.

Schätze bestaunen im Klostermuseum

Seit 1991 informiert das Klostermuseum über die Geschichte, und die Bedeutung, des Klosters Hirsau. Das romanische Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, gehörte einst selbst zur Anlage des Klosters. Ganz genau war es ein Anbau der früheren Aureliuskirche. Alleine schon architektonisch ist das Haus eine Augenweide. Im Inneren des Gebäudes schlägt inzwischen das Herz der ehemaligen Klosteranlage Hirsau. Dort gibt es alte Handschriften und zahlreiche Grabungsfunde zu besichtigen. Modelle des Klosterareals verdeutlichen wie die Anlage zu ihrer Blütezeit ausgesehen haben muss.

Klostermuseum in Hirsau bei der Aureliuskirche
Klostermuseum in Hirsau bei der Aureliuskirche

Wandern um das Kloster Hirsau

Das Kloster Hirsau ist der perfekte Start- oder Endpunkt für eine Rundwanderung. Die Gegend rund um Hirsau lädt ein zu leichte bis mittelschwere Wanderungen Mitten in der Natur. Die Touren reichen dabei von einer Länge von etwa 9 Kilometer bis zu gut 14 Kilometer, sodass für jeden etwas dabei sein sollte. Ich kann für Anfänger bzw. fortgeschrittene Wanderer die Rundwanderung durch die Fuchsklinge in die Wolfsschlucht nur empfehlen. Auch hier endet man am Kloster Hirsau und kann sich das Kloster nach einer abwechslungsreichen Wanderung mit einer Gehzeit von rund 2:30 Stunden in Ruhe danach anschauen. Die Wege sind sehr gut ausgeschildert, etwas Kondition sollte man aber auf jeden Fall mitbringen.

Traumhafte Natur rund um die Fuchsklinge in Hirsau
Traumhafte Natur rund um die Fuchsklinge in Hirsau

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Reisefuehrer

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